Ich weiß noch gut, wie es war, als ich mich in jungen Jahren dafür rechtfertigen musste, dass ich Bands im Stile von Metz gehört habe. Solche Musik konnte ja keinen Tiefgang haben oder war eben für viele in meinem Alter nicht gerade unterhaltsam. Heute ist diese Zeit der Rechtfertigung längst vorbei und wer immer noch nicht versteht, warum ich solche Musik mag, die wie das neue Metz Album Atlas Vending „Lärm“ mit Tiefgang verbindet, tja, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

Nun ist Atlas Vending tatsächlich nicht jedermanns Sache – muss es aber auch gar nicht, Musik ist und bleibt nun mal eine Frage des Geschmacks. Schon der erste Song, Pulse, verlangt den Gehörgängen alles ab. Doch wer gleich beim ersten Song wegschaltet, verpasst ein Album, dass es meiner Ansicht (und meinem Musikgeschmack) nach in sich hat.

Dead eyes, life in your hands now
And if you see headlights man you better run for cover
Hands tied, throw the old plan out
Because I need to leave this place now more than ever

Metz – A Boat To Drown In

Metz haben sich für ihr neues Werk gleich mehrere Themen auf die Fahnen geschrieben, wie Isolation und Sucht, Themen, mit denen sie bei mir gleich den richtigen Nerv treffen. Doch es geht auch um Vaterschaft, um Paranoia, die von den Medien der Gegenwart herauf beschworen werden, um soziale Ängste, die einen erdrücken können. Und auch um das rastlose Getriebensein darin, alles hinter sich lassen zu wollen.

Metz © Norman Wong

Noise, das ist eben im Falle von Metz nicht einfach nur „Lärm“ und laut, sondern bringt die Themen der Gegenwart auf den Tisch. Und es nervt mich, dass solche wirklich guten Alben nicht das Gehör finden, dass sie verdient hätten, nur weil Punkbands und Noise-Bands in irgendwelche Schubladen der Banalität gesteckt werden. Dabei war es gerade der Punk, der musikalisch den Finger in die Wunden der Gesellschaft gelegt und ihr den Spiegel vorgehalten hat – und das auch heute noch tut, im Falle von Metz und vielen anderen genialen Punkbands, denen zugehört werden sollte.

They tell us lies through shiny eyes that keep us drooling
Blood rushing to our fingers, comes and it goes
Caught in the static, run in the fabric, we’ve got a habit
Drunk off the still where nothing beautiful grows

Metz – Sugar Pill

Am 17. Oktober treten Metz übrigens im Opera House Toronto auf, die Show wird in Europa live übertragen werden. Sänger Alex Edkins über den Auftritt: „Etwas, das uns als Menschen innewohnt, wurde weggenommen. Wir möchten dieses Gefühl unbedingt wiederfinden, die Welt für einen Moment vergessen und ein brandneues Album, das wir sehr lieben (plus einige Oldies), mit Ihnen teilen.“

Metz neues Album Atlas Vending ist bei Sub Pop Records erschienen. Neben der CD und digital gibt es Atlas Vending auch auf Vinyl und in der Metz Atlas Vending Loser Edition auf Rosa Vinyl und außerdem als Tape.

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