Die britische Rapperin ENNY © Fabrice Bourgelle

Ihre Debüt-EP „Under 25“ hat zahlreiche Blicke auf sich gezogen. Mit ihren klaren Botschaften zählt ENNY zu den neuen Stimmen der britischen Musikszene, die unbedingt gehört werden wollen – und es auch sollten!

Enny, Du hast vor Kurzem Deine EP „Under 25“ veröffentlicht. Warum dieser Titel und warum genau diese Songs für die EP?

Die Songs und der Titel repräsentieren einen bestimmten Moment in meinem Leben, es ist wie mein Musikformat für Coming-of-Age-Momente.

Du bist Rapperin und doch kann man Dich zugleich nicht wirklich festlegen, finde ich. Wo siehst Du Dich selbst musikalisch zuhause? Und wie bist Du überhaupt zum Rap gekommen?

Ich wollte Sängerin werden, und als ich älter wurde, hat es mich mehr zum Rappen hingezogen und versuche, beides in die Melodien zu integrieren. Ich habe sehr jung angefangen zu rappen, ab 7 Jahren.

Du bist jung, Du bist eine Frau, Du bist schwarz. All das macht es nicht gerade einfach, in der nach wie vor hauptsächlich von weißen Männern dominierten Musikszene Fuß zu fassen. Trotzdem gehst Du Deinen Weg. Woher nimmst Du die Kraft dafür, und den Mut?

Ich denke, es ist die Erkenntnis, dass Männer viele Räume einnehmen und die weibliche Perspektive es verdient, gehört und geteilt zu werden. Obwohl sich die Dinge ändern, gibt es noch viel zu tun.

In Deiner Künstler-Biografie habe ich gelesen, dass Du gläubig bist und Du glaubst, Gott hat zu Dir gesagt, dass Du Deinen Job in einer Bank aufgeben und Musik machen sollst. Das finde ich genial. Bei mir ist es ähnlich gewesen, die Entscheidung zwischen einer Karriere oder dem, dass ich einfach den Stuff schreibe, von dem Gott will, dass ich ihn schreibe. Irgendwann war dann ziemlich klar, dass es in Richtung Musik geht, über Musik zu schreiben, aber ich arbeite mittlerweile auch an Songtexten und vielleicht geht es doch noch eines Tages in Richtung eines eigenen kleinen Labels. Wollte Dir damals jemand ausreden, dass Du diesen Weg gehst? So nach dem Motto „Hey, Dein Job in einer Bank ist doch sicher, wieso willst Du dann diesen unsicheren Weg in der Musik gehen?“.

Ich hatte das Glück, dass es Leute gab, die mich dazu drängten. Ich bin die Jüngste und meine Geschwister haben mich unterstützt und sagten, mach es einfach … selbst meine Mutter war anfangs etwas müde, aber ich denke, wenn du es wirklich weißt, wenn du in deine Bestimmung gehst, werden die Leute es auch sehen.

ENNY – Under 25

Der für mich persönlich wichtigste Track auf Deiner EP ist „Keisha’s & Brenda’s“. Als Missbrauchsopfer, das bis heute mit der Stigmatisierung im familiären Umfeld leben muss, geht mir der Song natürlich sehr unter die Haut. Was hat Dich zu diesem Song bewegt? Und wie ist das Video zu „Keishas and Brendas“ entstanden? Allein das Video hat schon in sich eine starke Aussagekraft. Ich hoffe sehr, dass der Song (und das Video) anderen Missbrauchsopfern den Mut schenkt, das Schweigen zu brechen, so viel Kraft es auch kostet und (wie in meinem Fall) manchmal auch familiäre Bande „zerstört“.

Das Lied wurde in einer späten Nacht auf dem Heimweg von der Arbeit geschrieben. Ich glaube, ich habe nur meine Beobachtungen über die Welt, in der wir leben, und kulturelle Themen zum Ausdruck gebracht. Dann, 3 Jahre später, in letzter Minute eine Idee für das Video zu haben, erinnert mich daran, dass alles Timing ist. Es ist eine Botschaft, die mehr Gespräche bedarf, die geführt werden müssen. Opfer sollen nicht schweigend leiden müssen.

ENNY Keisha’s & Brenda’s Video

Was mich noch interessieren würde, welche KünstlerInnen haben Dich im Laufe Deiner (musikalischen) Entwicklung ganz besonders inspiriert?

Ich bin in einem Schmelztiegel der Musik aufgewachsen, aber ich habe mich immer zu Künstlern hingezogen, die diese Geschichte in ihrer Musik erzählt haben. Von J.cole  Nas. 2pac Frau Lauryn Hill  Kano.

Ein befreundeter Musiker nennt diese Zeit eine „weird era“. Die Pandemie, dazu der Brexit. Beides nicht gerade einfach, um als Künstlerin und Rapperin so richtig loszulegen. Gerade der Brexit wird auch britische KünstlerInnen vermehrt ausbremsen, um hier in Europa musikalisch Fuß zu fassen. Wie ist es Dir in dieser Zeit ergangen und wie gehst Du für Dich damit um? Und wie hast Du es geschafft, trotz all dieser heftigen Barrieren an Deinen Songs und Deinem musikalischen Weg zu arbeiten?

Ja, es ist eine sehr verrückte Zeit, was die paar Monate noch aussagekräftiger macht. Ich habe zu Beginn der Pandemie mit der Musik angefangen, was mich zurück dazu führt, warum Timing alles ist, aber auch einfach zu glauben, dass Gott wirklich etwas tut, weil es keinen Sinn macht. Die Arbeit an der Musik während der Pandemie war hilfreich für mich und Paya (die das Projekt ausführte) und ich waren darin gefangen, ständig Ideen auszutauschen, es war oft schwer, aber es kamen schöne Dinge daraus.

Eine letzte, aber nicht weniger wichtige Frage: Was würdest Du jungen, farbigen Mädchen mit auf den Weg geben, die davon träumen, Musik zu machen?

Mach weiter dein Ding! Vertrau dir und deiner Kunst und umgib dich mit Menschen, die an das glauben, was du tust. Eine solide Gemeinschaft von Menschen ist die Grundlage für schöne Dinge.

Danke für das Interview! Sei stolz, auf das, was Du bist und geh Deinen Weg. Ich wünsche Dir von Herzen Gottes Segen dafür!

Christel

Großartige Fragen, Danke Christel!

Die britische Rapperin ENNY © Fabrice Bourgelle
ENNY © Fabrice Bourgelle