Julia Kautz hat vor Kurzem ihre neue Single „Leonie“ veröffentlicht. Ich hatte das Vergnügen, ein Interview mit der Sängerin und Songwriterin zu führen, über ihren neuen Song, ihren Weg von der Bravo-Chefreporterin zu ihr eigenen musikalischen Karriere und über das Songschreiben.

Julia, im Dezember erscheint Deine EP „Amnesie“. Bereits jetzt können wir daraus die dritte Single-Auskopplung hören. „Leonie“ ist ein Song mitten aus dem Leben. Du sagt über dieses Lied und den Hintergrund, dass es um eine Frau geht, die Du nie persönlich kennengelernt hast, aber die Dein Leben für immer verändert hat. Magst Du mehr darüber erzählen?

Meine Songs sind immer sehr persönlich, aber dieser geht ganz besonders tief. Ich frage Leonie darin ganz direkt, ob mein Freund mich mit ihr betrügt. Von Frau zu Frau. Mein Bauchgefühl weiß es eigentlich schon lange, aber da mein Freund nie ehrlich zu mir ist und mich für verrückt erklärt, schreibe ich ihr. Allerdings nicht anklagend. Da ich mir nicht sicher bin, ob sie überhaupt von meiner Existenz weiß, gibt es die Zeile: ,Ist n halbes Herz, das was dir genügt, oder belügt er dich, wie er mich betrügt?’ Ich will mit dem Song aussagen, dass man immer auf seinen Instinkt vertrauen sollte. Denn er kennt die Wahrheit sowieso. Leider trauen wir uns das viel zu selten.

Julia Kautz Leonie Video

Von der Chefreporterin von BRAVO zur Sängerin und Songwriterin ist ja auch nicht gerade der direkte Weg. 😉 Wusstet Du schon zu jener Zeit, dass Du unbedingt Deine eigene Songs schreiben, singen und veröffentlichen willst? Und wenn ja, war die Arbeit bei Bravo dann nur Dein Plan B fürs Leben, bis sich die richtigen Türen öffnen?

Ich habe schon als Kind Songs geschrieben. Ich hatte damals einen kleinen Kassettenrekorder, in den ich immer Melodien und Texte eingesungen habe. Nur habe ich zu der Zeit nicht im Traum daran gedacht, dass es realistisch wäre, das später einmal als Beruf auszuüben. Der Journalismus ist mir dann einfach so passiert. Es war sozusagen Schicksal. Und es war ein absoluter Traumjob, bei dem ich sehr viel über das Musikbusiness gelernt habe. Ich durfte um die Welt reisen und Stars wie Bruno Mars, Katy Perry oder Lady Gaga interviewen. Ich würde daher nicht sagen, dass es ein Plan B war. Dazu habe ich es zu sehr geliebt. Trotzdem wusste ich immer tief in mir drin, dass ich eigentlich noch lieber Songs schreiben und auf der Bühne stehen möchte. Deshalb habe ich mir diesen ultimativen Lebenstraum schließlich verwirklicht. Und ich habe diese Entscheidung keine Sekunde lang bereut, auch wenn das Leben als Musikerin viel unsicherer ist.

Im deutschsprachigen Raum kennt man Dich hauptsächlich als Singer-Songwriterin. Anders sieht es in Japan aus, wo Du mit einem Song für die koreanische Boyband My Name einen Nummer Eins Hit landen konntest in den Charts. Das zeugt von ein Stilvielfalt in den Songs, die Du schreibst. Wo würdest Du Dich selbst am ehesten einordnen wollen – und wo siehst Du Dich in Zukunft?

Ich liebe es, nicht nur für mich, sondern auch für andere Songs zu schreiben. Eben wegen der Vielfalt. Ich kann so durch alle Genres springen und sowohl auf englisch, als auch auf deutsch texten. Außerdem macht es mir sehr viel Spaß, mich in die Köpfe anderer Künstler hineinzuversetzen, und ihnen ebenso persönliche Songs auf den Leib zu schneidern. Das ist auch ein guter Ausgleich, um nicht immer nur um meine eigenen Gedanken zu kreisen. Ich hoffe, dass ich das in Zukunft genauso weitermachen kann, weil ich jeden Tag glücklich darüber bin, ins Studio zu gehen und Songs schreiben zu dürfen.


Julia Kautz © Sascha Wernicke

Du sagst selbst von Deinen Songs: „Meine Lieder sind wie ein Tagebuch!“ Manchmal ist Tagebuch schreiben ja auch so was wie „sich selbst predigen“. Geht es Dir auch so mit Deinen Liedern oder sind Deine eigenen Songs eher das Endresultat eines persönlichen Denkprozesses?

Ich würde sagen beides. Songs zu schreiben ist Therapie für mich. Ich lasse die Menschen an meinem Denkprozess teilhaben, aber ebenso an der Conclusio. Weil ich hoffe, dass ich meinen Zuhörern so auch etwas für ihr Leben mitgeben kann. Jeder soll seine eigene Geschichte darin wiederfinden. Ich liebe es, wenn mir meine Fans schreiben, dass ihnen meine Songs durch eine schwere Zeit geholfen haben. Das gibt mir selbst sehr viel Kraft, immer weiterzumachen!

„Ist`n halbes Herz das, was Dir genügt? Oder belügt er Dich, wie er mich betrügt?“

Julia Kautz – Leonie

Es ist nicht die Zeit, um große Pläne zu schmieden, das weiß ich selbst nur zu gut. Doch lass mich zum Schluss noch fragen, was abgesehen vom Erscheinen Deiner neuen EP im Dezember Deine musikalischen und beruflichen Pläne für die nächsten Monate sind.

Eigentlich hätte es zur Veröffentlichung meiner EP eine Tour gegeben. Aber wie gesagt, so etwas zu planen, ist momentan leider sehr schwierig. So konnte ich leider seit Corona erst ein Live-Konzert spielen – im Sommergarten des Batschkapp in Frankfurt am Main. Das war wunderschön und tat sehr gut. Außerdem habe ich ein paar Online Konzerte gegeben. Ich hoffe aber, dass es nächstes Jahr wieder viele Auftritte geben wird. Und natürlich wird auch wieder neue Musik von mir erscheinen!

Danke für das Interview und alles Gute für Deine weitere musikalische Reise. Und bleib gesund!

Christel von LaTrash.de

Vielen Dank für die tollen Fragen! Alles Liebe und bleib gesund! 🙂