PIPPA © Christoph Liebentritt

Am 23. September tritt PIPPA auf dem Reeperbahn Festival auf, einen Tag später erscheint ihre EP „Livestream“ beim Wiener Label Las Vegas Records. Drei gute Gründe, ein Interview mit der vielseitigen Künstlerin zu führen, über die ich auf LaTrash.de schon mehr als einmal geschrieben habe.

PIPPA, Ende September erscheint Deine EP „Lifestream“. Warum ausgerechnet dieser Titel? Und warum die Zusammenstellung genau dieser Songs?

Die EP ist während der Pandemie und ihrer Lockdowns entstanden und sie spiegelt gewissermaßen inhaltlich das wieder, was mich in dieser Zeit beschäftigt hat. Es war eine Zeit, in der unsere Leben in den Livestream verlagert wurden. Und wenn die digitalen Möglichkeiten auch toll sind, hat mich das dennoch teilweise verstört. Deshalb schreibe ich den Titel der EP auch mit „F“, weil sozusagen der Lebensstrom dem Livestream gegenübergestellt wird. Auch die anderen Themen, wie Vergänglichkeit, die Geschwindigkeit mir der alles passiert, das Gefühl, Zeit zu verlieren, die Auseinandersetzung mit den eigenen Schatten und ein Gefühl der nicht – Zugehörigkeit, werden hier bearbeitet. Auch, wenn mir diese Themen bereits unabhängig von Covid unter den Fingernägeln gebrannt haben, es gab dann halt keine Ausrede mehr, sich ihnen nicht zu stellen

Deine Musik ist mir schon im Dezember letzten Jahres über den Weg gelaufen, als ich am LaTrash.de Weihnachtsspecial gearbeitet habe. Mit „Geschenke“ hattest Du ein, ganz PIPPA-mäßig, anderes Weihnachtslied gebracht. Vor einiger Zeit kam dann Deine Single „Die schönen Tage“ raus. Was hat Dich bei beiden Songs bewegt?

Ich wollte schon länger einen Song mit Hubert Weinheimer von der Band „Das Trojanische Pferd“ machen. Wir sind musikalisch in anderen Welten zu Hause, aber ich schätze ich für seine Texte und die Konsequenz, die er an den Tag legt. Ich hab dann überlegt, was wir machen könnten und kam auf das am wenigsten Naheliegende: ein Weihnachtssong. Hubert hatte auch Bock drauf und dann kam noch Hans Wagner von Neuschnee mit ins Boot, der die Musik dazu gemacht hat.

In „Die schönen Tage“, spreche ich mir im Grunde Trost selber zu. Auch, wenn alles wegzuschwimmen droht, man das Gefühl hat, als käme man nicht mehr mit, nicht hinterher, alles so flüchtig scheint, so bleibt doch alles Erlebte in einem drinnen. Für immer. Dieser Gedanke hilft mir.

Und was genau macht für Dich den PIPPA-Style in Deiner Musik aus?

Man kann meine Musik nicht klar einem Genre zuordnen. Ich experimentiere gerne und spiele mit den verschiedensten Stilen. Ich glaube, genau das macht es aus. Es ist, denke ich, etwas sehr Eigenes.

Da stellt sich natürlich auch die Frage nach der Inspiration. Welche KünstlerInnen, vielleicht auch aus anderen Kunstrichtungen als allein der Musik, haben Dich auf Deinem Weg als Künstlerin und Musikerin besonders inspiriert?

Ich habe immer schon einen stilistisch breit aufgefächerten Musikgeschmack gehabt, was nicht bedeutet, dass mir super viel gefällt, haha. Leider merke ich, dass mich nur noch selten wirklich nachhaltig etwas begeistert. Aber wenn, dann haut es mich um. Zuletzt war das bei der Künstlerin Sevdaliza der Fall. Ich mag Musik und Performances, die eigenständig sind und sich nicht vorwiegend am Zeitgeist orientieren, sondern einen eigenen Stil prägen.

Ich bin mit den Beatles sozialisiert und ich finde, die gehen eigentlich immer. Später hab ich vorwiegend nach starken Frauenfiguren gesucht, wie Fiona Apple, Regina Spektor, Dolores O`Riordan, Björg, Tori Amos, Amanda Palmer…die Liste ist lang. Aber auch Element of Crime waren sehr wichtig für mich.

Touren ist endlich wieder möglich. Du kommst dabei auch für einen Auftritt nach Deutschland und spielst am 23. September auf dem Reeperbahn Festival. Für viele KünstlerInnen ist ein Auftritt auf dem Reeperbahn Festival was ganz Besonderes. Was macht das im Vorfeld mit Dir und was bedeutet Dir dieser Auftritt?

Absolut, ich bin so happy, dass ich da spielen darf. Es war schon immer ein großer Traum von mir und jetzt passiert es tatsächlich. Ich versuche einfach, es zu genießen und mich nicht zu sehr verrückt zu machen, also nicht allzu aufgeregt zu sein.

Und wie hast Du es geschafft, in der Zeit, in der keine Auftritte möglich waren, kreativ zu bleiben und auf Deine EP hinzuarbeiten?

Die ersten Wochen waren wie, als hätte jemand die Pause Taste gedrückt. Ich hatte keine Ideen, keinen Antrieb. Ich höre aber, dass es vielen so ging. Als hätten wir als Gesellschaft diesen Schock erst mal kollektiv verarbeiten müssen. Dann kam die Inspiration zurück und ich hatte das Gefühl, noch tiefer in mir graben zu können. Irgendwie hat die ganze Zeit mehr bedingungslose Ehrlichkeit von uns gefordert, oder? Zumindest hab ich das so erlebt. Als ob eine äußere Schicht der oberflächlichen Bedeutungslosigkeit abgetragen wurde. Und so hab ich dann die Songs geschrieben und mich mit Hans im Studio verbarrikadiert.

Ich habe das Gefühl, in der österreichischen Musik bewegt sich im Moment eine Menge. Es ist eine Vielfalt da, die auch in anderen Ländern Gehör finden will. Welche aktuellen KünstlerInnen der österreichischen Musikszene siehst Du als besonders stark und wichtig an? Und hast Du einen Geheimtipp, der unbedingt Aufmerksamkeit verdient hätte?

Ja, seit Bilderbuch und Wanda geht hier echt Einiges. Es gibt so unglaublich viele Acts und wirklich auch gute Acts, sodass es auch hier schon schwierig wird, den Überblick zu behalten.
Ich finde weibliche Künstlerinnen wie „Nenda“ , „Hunney Pimp“ und „My Ugly Clementine“ spannend. Aber auch „Dramas“ und „Wallners“ zB.

Du bist bei dem Wiener Label Las Vegas Records unter Vertrag. Wie war Dein Weg dahin? Und was würdest Du NachwuchskünstlerInnen empfehlen, die auf der Suche nach einem Label sind?

Ich war bei meinem ersten Album noch beim „Lotter Label“, das hat gut gepasst für den Anfang aber es war dann relativ schnell klar, dass wir künstlerisch nicht dasselbe wollen. „Las Vegas Records“ hat davor schon mal Interesse bekundet und es war dann von Anfang an eine sehr angenehme und professionelle Arbeitsbeziehung auf Augenhöhe, in der es auch menschlich super passt. Zeitgleich kamen auch PARRAMATTA in mein Team und ich kann nur sagen, dass ich das wirklich als den großen Unterschied zu davor empfinde. Nämlich ein Management zu haben, das an meine Vision glaubt und mit mir diesen Weg geht. Also würde ich allen NewcomerInnen ans Herz legen: Sucht euch Jemanden, der/die an die Idee glaubt und euch managementmäßig unterstützt. Das muss kein Profi sein, manchmal ist es vielleicht sogar besser, mit der besten Freundin zu „arbeiten“. Wenn sie wirklich begeistert ist, dann kann sie vielleicht mehr bewegen, als eine Promo Agentur, die bezahlt wird. Gemeinsam findet sich auch leichter ein Label, das zu euch passt.

Wenn Deine EP am 24. September erschienen ist, wie wird es danach für Dich weitergehen? Noch mehr Konzerte oder eher zurück ins Studio, um an neuen Songs zu arbeiten?

So wie es im Moment aussieht, ist der Hauptschwall an Konzerten im Oktober vorbei.
Ich arbeite schon seit einiger Zeit an einem dritten Album. Es soll ein Konzeptalbum werden und ich möchte dem die Zeit geben, die es braucht. Erfahrungsgemäß eignen sich die kürzeren und kälteren Tage aber perfekt für kreative Prozesse.

Danke für das Interview! Ich wünsche Dir alles Gute für Deine weitere musikalische und kreative Reise und viel Spaß auf Deinen Konzerten!

Christel

PIPPA © Christoph Liebentritt
Die Wiener Künstlerin PIPPA © Christoph Liebentritt